Trump prüft F-35-Zugang für Türkei

Washington’s safety pin remains in place, keeping Turkey’s regional ambitions on the tarmac.
Bildkomposition · tobriefDer Tarnkappenjet F-35 ist für Washington mehr als ein Kampfflugzeug. Er ist ein außenpolitischer Hebel, weil die Vereinigten Staaten entscheiden, welche Verbündeten Zugang zur sensibelsten Militärtechnik des Bündnisses erhalten. Beim NATO-Gipfel ließ Donald Trump offen, ob die Türkei wieder in das Programm aufgenommen werden solle (USA Today, The Hill). Diese Unklarheit ist kein Zufall. Sie hält Ankara in Bewegung und erinnert zugleich alle anderen Hauptstädte daran, wo der Schlüssel liegt: in Washington.
Recep Tayyip Erdogan warnte Kyriakos Mitsotakis, er solle nicht „denselben Fehler wie Netanjahu“ machen und sich gegen türkischen Zugang zur F-35 stellen. Mitsotakis antwortete, Griechenland werde Washington nicht vorschreiben, wohin es Waffen verkaufe, nannte aber die offizielle türkische Kriegsdrohung für den Fall einer Ausweitung griechischer Hoheitsgewässer in der Ägäis auf zwölf Seemeilen „einen Anachronismus“ (Euronews Greece). Beide sprachen letztlich für ein Publikum: die amerikanische Regierung.
Wie die Sperre funktioniert
Griechenland ist im Programm. Die Defense Security Cooperation Agency, also die Pentagon-Behörde für ausländische Rüstungsgeschäfte, informierte den Kongress im Januar 2024 über einen möglichen Verkauf von bis zu 40 F-35A-Kampfflugzeugen an Athen (DSCA). Sechs Monate später unterzeichnete Griechenland die Annahmeerklärung (Lockheed Martin).
Die Türkei ist dagegen ausgeschlossen. Das Pentagon entfernte Ankara 2019 aus dem Programm, nachdem die Türkei das russische Luftabwehrsystem S-400 übernommen hatte. Die Begründung war ungewöhnlich direkt: Die F-35 könne nicht mit einer russischen Plattform zur Informationsgewinnung koexistieren, die lernen könnte, die Tarnkappensignatur des Jets zu erkennen (Pentagon). Anschließend belegte Washington die türkische Beschaffungsbehörde für Rüstungsgüter mit Sanktionen nach CAATSA, einem amerikanischen Gesetz gegen bedeutende Geschäfte mit dem russischen Verteidigungssektor (State Department).
Trump kann Erdogan politische Nähe signalisieren, doch CAATSA ist Gesetz und nicht bloß eine Ermessensfrage des Präsidenten. 18 Kongressmitglieder haben sich öffentlich gegen eine Wiederaufnahme der Türkei ausgesprochen; zudem wurde eine Resolution eingebracht, die entsprechende Transfers blockieren soll (Protothema, RIK). Eine Wende setzt daher entweder den nachprüfbaren Abzug der S-400 voraus oder eine gesetzgeberische Umgehung, an die sich bisher keine Regierung gewagt hat.
Warum Europa gespalten ist
Griechenland und Israel sehen türkische F-35 als unmittelbare Veränderung des militärischen Gleichgewichts. Ankara hält seine formale Kriegsdrohung gegen Athen wegen der Ägäis weiterhin aufrecht. Aus griechischer Sicht würde es den Zweck des Programms unterlaufen, einem Staat mit dieser Drohung denselben Tarnkappenjet zu geben, den Griechenland selbst beschafft. Benjamin Netanjahu erhöhte den Druck separat und warnte Trump, türkische F-35 würden das regionale Kräfteverhältnis verschieben (n-tv, ZEIT).
Rumänien blickt anders auf die Türkei, nämlich durch das Schwarze Meer. Bukarest arbeitet mit Ankara und Sofia bei der Minenabwehr und beim Schutz kritischer Infrastruktur zusammen (Digi24). Für Rumänien bedeutet eine stärker westlich eingebundene Türkei wohl einen handlungsfähigeren Partner gegen Russland.
Italien und Spanien machen eine klare europäische Linie zusätzlich schwierig. Leonardo betreibt im italienischen Cameri die F-35-Endmontage und gründete im Juni 2025 mit dem türkischen Drohnenhersteller Baykar ein Gemeinschaftsunternehmen für unbemannte Systeme (Leonardo, Leonardo-Baykar). Rom hat daher ein industrielles Interesse daran, Ankara nicht zu weit abdriften zu lassen. Spanien wiederum plant den Kauf türkischer Hurjet-Trainingsflugzeuge (Euronews Spain). Europas eigenes Kampfflugzeugprojekt der fünften Generation, FCAS, das französisch-deutsch-spanische Luftkampfsystem der Zukunft, steckt weiter in industriellen Streitigkeiten fest (El País). Solange FCAS nicht liefert, bleiben europäische Hauptstädte auf amerikanische Flugzeuge und, je nach Lage, auf türkische Kooperationen angewiesen.
Wer den Schlüssel hält
Zwischen der Türkei und der F-35 stehen zwei Schranken. Das Weiße Haus müsste bestätigen, dass das S-400-Problem gelöst ist. Der Kongress kann jeden Verkauf blockieren oder verzögern. Trump kontrolliert die erste Schranke, doch die eigentliche Frage lautet, ob die geographische Lage und militärische Bedeutung der Türkei schwerer wiegen als amerikanisches Exportkontrollrecht.
Athen, Jerusalem und 18 Kongressmitglieder setzen darauf, dass sie das nicht tun. Ankara und Teile der östlichen NATO-Flanke halten dagegen eine enger eingebundene Türkei für wichtiger. Solange die S-400 physisch auf türkischem Boden bleibt, bleibt auch die Sperre bestehen.
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