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EU_PUBLIC_AFFAIRS01 / 06 · Geschichte des Tages3 Min. · 549 Wörter · 136 Quellen

Ukraine kauft Gripen an Frankreich vorbei

Geschrieben von KIto brief AI · 29. Mai 2026, 03:50
Wie sie entstand

Thousands of legal triggers facilitate the largest weapons deal in EU history.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Die Ukraine will 20 Gripen-E/F-Kampfjets des schwedischen Herstellers Saab für 2,5 Mrd. EUR kaufen. Schweden spendet zusätzlich 16 ältere Gripen C/D im Wert von 1,9 Mrd. EUR. Vorgestellt wurde das Vorhaben am 28. Mai im Saab-Werk in Linköping. Es wäre die größte einzelne Rüstungsbeschaffung, die über EU-Kreditaufnahme finanziert wird, und sie geht nach Stockholm, nicht an Frankreichs Rafale oder das gescheiterte deutsch-französische FCAS-Projekt.

Ein Zuschuss im Gewand eines Kredits

Finanziert werden soll der Kauf über den Ukraine Support Loan der EU, eine im Februar 2026 beschlossene Kreditlinie über 90 Mrd. EUR. Grundlage ist die verstärkte Zusammenarbeit, also ein Verfahren, bei dem eine Gruppe von Mitgliedstaaten vorangehen kann, wenn Einstimmigkeit scheitert. In diesem Fall beteiligten sich 24 der 27 EU-Staaten; das ungarische Veto wurde damit umgangen. Von den 90 Mrd. EUR sind 60 Mrd. EUR für militärische Beschaffung vorgesehen, 30 Mrd. EUR für Haushaltshilfe.

Die Konditionen sind für Kiew außergewöhnlich günstig. Nach Angaben des ukrainischen Finanzministeriums übernimmt die EU sämtliche Zinszahlungen. Die Tilgung des Kapitals hängt ausschließlich von russischen Reparationszahlungen ab, also von Geld, das womöglich nie fließt. Faktisch handelt es sich damit eher um einen Zuschuss, der rechtlich als Kredit konstruiert ist. Die Europäische Kommission behält die Freigabe jeder einzelnen Waffenbeschaffung, bevor Mittel ausgezahlt werden. Im Juni sollen zunächst Drohnen finanziert werden; der Gripen-Kauf wäre dann mit Abstand die größte Einzeltransaktion.

FCAS scheitert, Saab rückt nach

Zwei Wochen vor der Gripen-Ankündigung nannte Airbus-Defence-Chef Michael Schöllhorn Saab bei einem Auftritt in Stockholm als möglichen Partner für ein europäisches Kampfflugzeug der nächsten Generation. FCAS, das deutsch-französische Programm für ein Kampfflugzeug der sechsten Generation, ist als bemanntes Gemeinschaftsprojekt praktisch erledigt. Dassault-Chef Éric Trappier beendete im April die Verhandlungen mit Airbus. Airbus schlägt inzwischen zwei getrennte Flugzeuge für französische und deutsche Anforderungen vor.

Saab ist in der deutschen Rüstungsindustrie ohnehin kein Außenseiter mehr. Der Konzern liefert für 1,2 Mrd. EUR sein Arexis-System zur elektronischen Kampfführung für den Eurofighter. Der Ukraine-Auftrag hätte für Saab aber eine andere Qualität: Er könnte dem Gripen jene Einsatzerfahrung verschaffen, die dem Flugzeug bisher fehlt. Der Jet wurde noch nie in einem echten Luftkrieg eingesetzt. Sollte er sich über der Ukraine bewähren, würde das Saabs Position gegenüber Airbus deutlich stärken.

Saab-Chef Micael Johansson sagte, formelle Gespräche mit Airbus liefen derzeit nicht. Der industrielle Sog ist dennoch erkennbar.

Was noch nicht gelöst ist

Ein formeller Vertrag ist bislang nicht unterzeichnet. Auch die Spende der 16 C/D-Maschinen hängt davon ab, dass der Kauf der E/F-Versionen zustande kommt. Der Gripen E nutzt ein F414-Triebwerk von General Electric. Deshalb braucht jeder Export eine Zustimmung der Vereinigten Staaten nach den ITAR-Regeln, den amerikanischen Vorschriften für den internationalen Waffenhandel. Eine solche Genehmigung ist öffentlich bisher nicht bestätigt.

Hinzu kommt die Produktionsfrage. Saab baut derzeit rund 15 Gripen pro Jahr und will die Kapazität auf 20 bis 30 Maschinen erhöhen. Die Rahmenvereinbarung umfasst insgesamt 100 bis 150 Flugzeuge. Selbst bei maximaler Auslastung entspräche das etwa fünf Jahren Produktion, vorausgesetzt, andere Kunden müssten warten.

Militärisch könnte der wichtigste Teil des Pakets nicht der Jet selbst sein, sondern die Meteor-Rakete. Der RUSI-Analyst Justin Bronk argumentiert, sie sei die einzige westliche Luft-Luft-Rakete mit ausreichender Reichweite, um russische Su-34 zu bedrohen, die Gleitbomben 60 bis 100 Kilometer hinter der Front abwerfen. Schwedens Verteidigungsminister nannte die Meteor im Waffenpaket, doch die Integration auf den älteren C/D-Flugzeugen ist bislang nicht bestätigt.

Frankreich produziert die Meteor mit. Der Rafale würde zudem wohl besser zu europäischen Beschaffungsregeln passen als ein Gripen mit amerikanischem Triebwerk. Trotzdem hat sich bisher kein hochrangiger französischer Regierungsvertreter öffentlich dazu geäußert, dass EU-Mittel einen schwedischen Wettbewerber finanzieren. Paris hat jahrelang an europäischen Verteidigungsinstrumenten gearbeitet. Der erste große Kauf, den diese Instrumente ermöglichen, geht nun nach Stockholm.

Ob der Deal tatsächlich zustande kommt, hängt an zwei Punkten: Washington muss die ITAR-Genehmigung für das GE-Triebwerk erteilen, und Saab muss zeigen, dass eine einzige Produktionslinie schnell genug liefern kann.

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5/29/2026, 3:00:45 AM
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