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EU_PUBLIC_AFFAIRS02 / 05 · Geschichte des Tages3 Min. · 647 Wörter · 55 Quellen

Ukraine verfehlt alle ballistischen Raketen

Geschrieben von KIto brief AI · 17. August 2026, 02:50
Wie sie entstand

Europe’s promised shield remains paper-thin as winter approaches.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Russland hat am 16. August das ArcelorMittal-Stahlwerk in Krywyj Rih getroffen. Zwei Arbeiter starben, 14 wurden verletzt (Kyiv Independent, Euronews). Hochöfen wurden heruntergefahren; aus einem militärischen Angriff wurde damit auch ein sichtbarer Schlag gegen industrielle Kapazität. In zwei Kiewer Stadtteilen brachen Brände aus, in Sumy starb ein Mensch. Insgesamt beschoss Russland 13 Orte mit einer gemischten Salve aus ballistischen Iskander-M-Raketen, Marschflugkörpern und mehr als hundert Drohnen des Shahed-Typs (Ukrainian Air Force). Die ukrainische Luftwaffe meldete den Abschuss von 85 Drohnen und drei Marschflugkörpern. Von den ballistischen Raketen fing sie keine einzige ab (RBC Ukraine).

Diese Null ist für Europa die entscheidende Zahl. Hohe Drohnenabschussquoten vermitteln den Eindruck einer funktionierenden Verteidigung. Ballistische Raketen zeigen jedoch, wo die ukrainische Luftabwehr verwundbar bleibt. Europäische Regierungen erklären die ukrainische Flugabwehr seit Monaten zur sicherheitspolitischen Priorität, können aber gerade jene Abfangraketen nicht in ausreichender Menge liefern, die ballistische Gefechtsköpfe stoppen. Bis zum Winter bleiben noch drei Monate.

Warum Drohnenzahlen täuschen

Russlands Angriffsmuster folgt einer klaren Logik. Billige Drohnen zwingen ukrainische Einheiten, viele Ziele gleichzeitig zu verfolgen und knappe Flugabwehrraketen einzusetzen. Danach kommen ballistische Raketen, die schneller einschlagen und auf ihrer steilen Endflugbahn deutlich schwerer abzufangen sind (Reuters). Systeme kürzerer Reichweite wie IRIS-T oder NASAMS eignen sich gegen Drohnen und Marschflugkörper. Gegen ballistische Raketen reichen sie nicht. Dafür braucht es Systeme wie Patriot PAC-3 oder das französisch-italienische SAMP/T (Politico). Von beiden hat die Ukraine zu wenige.

In derselben Nacht schickte die Ukraine ihrerseits Hunderte Drohnen in Richtung Moskau und traf nach Angaben des ukrainischen Generalstabs ein Werk in Rostow, das Feststofftreibstoff für Raketen produziert (UNN). Russische Behörden meldeten mindestens sieben getötete Zivilisten in mehreren Regionen (CNN). Die Beleglage bleibt ungleich: Russland nennt hohe Abfangzahlen ohne unabhängige Bestätigung; in der Ukraine sind tote Arbeiter, Brände und stillgelegte Hochöfen dokumentiert.

Geberstaaten stehen vor einer Winterfrist

Der Engpass ist nicht neu. Wie To Brief Anfang des Monats berichtete, fing die Ukraine bei einem Angriff am 1. August nur eine von 27 ballistischen Raketen ab. Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte zudem, die Lieferungen von Flugabwehrraketen seien auf ein Drittel des Niveaus von 2025 gefallen. Die Salve vom 16. August bestätigte dieselbe Lücke.

Deutschland zeigt, warum Produktion allein kurzfristig nicht hilft. Berlin finanziert zwar Produktionslinien für Patriot und IRIS-T, doch die ersten in Europa montierten Patriot-Raketen sollen das deutsche Patriot-Montagewerk COMLOG erst Anfang 2027 verlassen (IO+). Die Jahresproduktion könnte dann nach Angaben der Frankfurter Rundschau lediglich 120 bis 170 Abfangraketen erreichen. Die Alternative wären Lieferungen aus Beständen der Bundeswehr. Dafür bräuchte es jedoch eine Kabinettsentscheidung, und die Bundesregierung hat erkennen lassen, dass diese Vorräte begrenzt sind (Bundesregierung).

In Polen ist der Zielkonflikt besonders scharf. Warschau hat ein eigenes Interesse daran, russische Raketen schon über der Ukraine zu stoppen, weil dies auch Polen schützt. Doch jede Patriot-Rakete, die nach Osten abgegeben wird, verringert den Spielraum gegen Sabotage, GPS-Störungen und Luftraumverletzungen, mit denen Polen bereits konfrontiert ist (ISW). Die stellvertretende Verteidigungsministerin Magdalena Sobkowiak-Czarnecka sprach von einer möglichen Entscheidung „in den kommenden Tagen“, betonte aber, die Sicherheit polnischer Bürger stehe an erster Stelle (Rzeczpospolita). Genehmigt ist die Lieferung bislang nicht.

Rumänien zeigt, was die unmittelbare Nähe zum Krieg schon jetzt bedeutet. Ein spanischer F-18-Kampfjet im NATO-Einsatz schoss eine Drohne ab, die aus Moldau in den rumänischen Luftraum eingedrungen war. Nach NATO-Angaben „scheint“ sie russisch zu sein; die Untersuchung laufe aber noch (Libertatea, HotNews). Der geschäftsführende Verteidigungsminister Radu Miruță sagte, rumänische Radare hätten binnen 96 Stunden mehr als 100 Drohnen nahe der Grenze verfolgt.

Vor dem Winter verbessert sich die Rechnung kaum. Die Herstellung einer Patriot-Abfangrakete dauert rund 42 Monate (Defense News). Europas neue Montagelinien liefern erst 2027. Abgaben aus nationalen Beständen schwächen die Verteidigung der Geberstaaten. Jede ballistische Rakete, die Russland jetzt abfeuert, trifft auf einen Schutzschirm, den Europa für unverzichtbar erklärt hat, aber eben nicht schnell genug liefern kann.

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8/17/2026, 1:57:34 AM
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