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EU_ECONOMICS03 / 18 · Geschichte des Tages3 Min. · 705 Wörter · 36 Quellen

US-Gesetz bedroht ASMLs China-Service

Geschrieben von KIto brief AI · 24. Juni 2026, 03:50
Wie sie entstand

The power to service the machines becomes a monument to external control.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Die Halbleiterpolitik ist längst nicht mehr nur Industriepolitik, sondern Machtpolitik entlang von Lieferketten. Ein neuer amerikanischer Gesetzentwurf würde die Exportkontrollen gegen ASML ausweiten, den niederländischen Hersteller der weltweit einzigen Maschinen für die modernsten Chips. Im Kern geht es darum, wer über Verkauf, Wartung und Aufrüstung dieser Anlagen entscheidet: die niederländische Regierung oder der US-Kongress.

Was ASML baut und warum China es haben will

ASML baut Lithographieanlagen, also Maschinen, die mit gebündeltem Licht winzige Schaltkreismuster auf Siliziumscheiben übertragen. Die modernsten Systeme arbeiten mit extrem ultraviolettem Licht, kurz EUV. In diesem Segment hat ASML ein Monopol; ohne EUV-Anlagen lassen sich die leistungsfähigsten Halbleiter nicht herstellen.

China war für ASML zuletzt der am schnellsten wachsende Markt. In den vergangenen drei Jahren erzielte der Konzern mit chinesischen Kunden nach Branchenschätzungen rund 27 Mrd. EUR Umsatz. Auch nach früheren, von den USA vorangetriebenen Beschränkungen entfallen wohl noch 19 bis 20 Prozent der erwarteten Erlöse auf China (ad-hoc-news, Reuters). Genau deshalb ist der geplante Eingriff so folgenreich.

Der im April 2026 im Repräsentantenhaus und im Senat eingebrachte MATCH Act würde amerikanische Beschränkungen für Halbleiterausrüstung gegenüber China gesetzlich festschreiben und ausweiten (ChinaTalk, Broadband Breakfast). Noch ist daraus kein Gesetz geworden. Washington nutzt den Entwurf aber schon jetzt als Druckmittel.

Am 19. Juni sprach Handelsminister Howard Lutnick gegenüber ASML einen konkreteren Verdacht an: In Washington gebe es die Sorge, eine besonders moderne EUV-Anlage könne nach China gelangt sein. ASML wies das zurück und verwies auf eine weltweit nachverfolgbare Flotte von 314 betriebenen EUV-Systemen, von denen sich keines in China befinde (Reuters, Boursorama). Ein behördlicher Nachweis für den Vorwurf liegt nicht vor.

Der eigentliche Hebel ist der Service

Dass Washington überhaupt auf ein niederländisches Unternehmen zugreifen kann, liegt an der sogenannten Foreign Direct Product Rule. Danach können die USA auch im Ausland hergestellte Güter beschränken, wenn sie mit bestimmter amerikanischer Technologie oder Ausrüstung produziert wurden. Weil amerikanische Komponenten und Schutzrechte tief in der globalen Chip-Lieferkette stecken, reicht diese Regel weit über die USA hinaus (Handelsblatt, Techzine).

Der MATCH Act würde weiter gehen und auch die Wartung bereits installierter Maschinen in chinesischen Fabriken erfassen. Dort liegt der wirtschaftlich empfindlichere Punkt. Die Anlagen brauchen laufend Ingenieure vor Ort, Ersatzteile, Software-Aktualisierungen und präzise Kalibrierung. Wenn diese Kalibrierung nachlässt, sinkt die Ausbeute: Aus jeder Siliziumscheibe kommen weniger brauchbare Chips, und die Qualität der Produktion verschlechtert sich schnell. ASMLs Serviceerlöse mit der installierten Maschinenbasis erreichten 2025 nach Branchenschätzungen rund 8,2 Mrd. EUR (36Kr). Ein Serviceverbot würde also nicht nur chinesische Fertigungskapazitäten schrittweise schwächen, sondern auch einen wiederkehrenden, margenstarken Erlösstrom von ASML treffen.

Wer in Europa verliert

Der China-Cashflow von ASML bleibt nicht einfach in den Niederlanden. Er finanziert auch das Forschungsnetzwerk zwischen ASML, dem belgischen Institut imec und großen Chipherstellern (imec). Wenn diese Erlöse schrumpfen, schrumpft auch der Spielraum für Forschung und Entwicklung, und zwar ausgerechnet in einer Phase, in der die EU mit dem European Chips Act eigene Halbleiterkapazitäten aufbauen will (Akcie.cz).

Für Deutschland kommt die Autoindustrie hinzu. Viele Fahrzeugchips entstehen auf älteren DUV-Anlagen, also mit tief ultraviolettem Licht; diese Maschinen sind weniger modern als EUV-Systeme, könnten aber ebenfalls unter MATCH-Beschränkungen fallen. Sollten chinesische Fabriken den Zugang zu DUV-Wartung verlieren, könnte sich das Angebot an reiferen Chips verengen, die in Autos, Industrierobotern und Fabrikelektronik stecken. Das muss nicht automatisch die Engpässe der Jahre 2021 bis 2023 wiederholen, erhöht aber das Risiko.

ASMLs Vorstandschef hat bereits gewarnt, zu harte Embargos könnten nach hinten losgehen, weil sie China eher zum beschleunigten Aufbau eines eigenen Lithographieprogramms drängten, statt es dauerhaft auszuschließen (BFM Business). Frankreich hat den Fall besonders nüchtern beschrieben: Europa könne zwar einen strategischen Champion besitzen und dennoch keine echte Souveränität haben, wenn die Regeln für diesen Champion in Washington geschrieben würden (FrenchWeb).

Der niederländische Handelsminister Sjoerd Sjoerdsma reiste am 23. Juni nach Washington, um gegen den MATCH Act zu werben, während die Niederlande zugleich der von den USA geführten KI-Lieferketteninitiative Pax Silica beitraten (Boursorama). Dieser doppelte Schritt zeigt das Dilemma. Die Niederlande können sich nicht aus der amerikanischen Sicherheitsbeziehung lösen. Sie können Washington aber auch kein Vetorecht über ihr wertvollstes Unternehmen einräumen. ASML zu besitzen nützt Europa weniger, wenn Europa nicht selbst entscheiden kann, wann ASML seine Maschinen verkauft, wartet oder aufrüstet.

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6/24/2026, 3:14:26 AM
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