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TECH_SCIENCE01 / 18 · Geschichte des Tages3 Min. · 707 Wörter · 38 Quellen

Washington nimmt ältere ASML-Anlagen ins Visier

Geschrieben von KIto brief AI · 25. Juni 2026, 03:50
Wie sie entstand

An infinite harvest of silicon is tethered to the heavy soil of the Dutch polders.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Jeder KI-Chatbot und jeder Bildgenerator läuft auf Hochleistungschips. In großer Stückzahl lassen sich diese Chips nur mit Anlagen herstellen, die faktisch von einem Unternehmen kommen: ASML aus Veldhoven in den Niederlanden. Das Unternehmen baut Lithographiesysteme, die Schaltkreismuster mit extrem ultraviolettem Licht auf Siliziumscheiben projizieren, eine Technologie, die kein anderer Anbieter in vergleichbarer industrieller Größenordnung beherrscht. Für 2025 meldete ASML 32,7 Mrd. EUR Umsatz; für 2026 stellt der Konzern wegen der KI-Nachfrage 34 Mrd. bis 39 Mrd. EUR in Aussicht (ASML annual report).

Damit sind die Niederlande fast nebenbei zu einem strategischen Kernland des KI-Wettlaufs geworden. Genau diese Stellung legt nun den europäischen Widerspruch offen.

Am 23. Juni traten die Niederlande der Pax-Silica-Allianz bei, einem von den Vereinigten Staaten geführten Kreis, der Rohstoffe, Energie, Chips und Rechenzentren unter befreundeten Staaten koordinieren soll (US State Department). In derselben Woche reiste der niederländische Handelsminister Sjoerd Sjoerdsma nach Washington, um gegen ein US-Gesetzesvorhaben zu werben, das dem Kongress faktisch Einfluss darauf gäbe, was niederländische Unternehmen an wen verkaufen dürfen (Reuters). Bündnistreue ja, Unterordnung unter amerikanische Regeln nein: Das ist Europas Dilemma bei der KI-Hardware.

Warum eine Chipmaschine zur Waffe wird

Pax Silica wurde im Dezember 2025 gestartet und umfasst inzwischen mehr als ein Dutzend Partner, darunter Japan, Südkorea, Indien und mehrere EU-Staaten. Der zuständige US-Unterstaatssekretär Jacob Helberg begründet die Initiative mit einer einfachen These: Den KI-Wettlauf gewinnt nicht nur, wer bessere Software schreibt, sondern wer die physische Grundlage kontrolliert, also Rechenleistung, Rohstoffe und Fabriken (Hudson Institute, Straits Times). Die Sorge ist real. Wenn Lieferketten in den Händen politischer Gegner konzentriert sind, können sie gekappt werden.

Die Grenze verläuft dort, wo Koordinierung in Zwang übergeht. ASMLs modernste Anlagen mit extrem ultravioletter Lithographie, kurz EUV, dürfen nach bestehenden Exportkontrollen bereits nicht nach China verkauft werden. Solche Regeln beschränken den Verkauf sicherheitsrelevanter Technologie an bestimmte Käufer. Der im April parteiübergreifend in den Kongress eingebrachte MATCH Act würde diese Kontrollen ausweiten (Baumgartner House release).

Betroffen wären auch ältere ASML-Maschinen, die mit tief ultraviolettem Licht arbeiten, der sogenannten DUV-Technologie. Sie sind weniger fortgeschritten als EUV-Systeme, bleiben für die Chipfertigung aber wertvoll; Tausende solcher Anlagen stehen bereits in chinesischen Fabriken. Das Gesetz würde zudem die Wartung bereits installierter Maschinen beschränken. Das ist entscheidend, weil Lithographieanlagen keine Geräte sind, die nach dem Anschluss einfach weiterlaufen. Sie brauchen laufend Spezialwartung, Softwareaktualisierungen und Ersatzteile des Herstellers. Wird diese Verbindung gekappt, fallen auch bereits verkaufte Maschinen mit der Zeit aus (Tom's Hardware).

Für Europa ist vor allem der Souveränitätsmechanismus brisant. Der MATCH Act gäbe Verbündeten 150 Tage, um gleichwertige Beschränkungen zu übernehmen. Tun sie das nicht, würde Washington amerikanisches Recht auf ausländisch hergestellte Produkte ausdehnen und einem niederländischen Unternehmen damit faktisch vorschreiben, US-Regeln zu befolgen (Kim Senate release). Der Entwurf hat den Ausschuss passiert, aber noch keine Plenarabstimmung. TechCrunch berichtet, er dürfte für eine Verabschiedung wohl in ein größeres Gesetzespaket eingebettet werden müssen.

Was Europa zu verlieren hat

Das unmittelbare Risiko liegt beim Umsatz. China stand 2025 für rund 33 Prozent der ASML-Erlöse; im ersten Quartal 2026 sank der Anteil bereits auf 19 Prozent des Systemumsatzes (SCMP, ASML Q1 2026). Diese Einnahmen finanzieren Forschung und Entwicklung für die nächste Maschinengeneration. Schrumpfen sie, schwächt das eben auch Europas Fähigkeit, in der Lithographie technologisch vorn zu bleiben.

ASML sitzt in den Niederlanden, doch sein Präzisionsökosystem ist europäisch. Die deutschen Unternehmen ZEISS und TRUMPF liefern Optiken und Lasersysteme, ohne die EUV-Anlagen nicht funktionieren würden (ZEISS, TRUMPF). Beschränkungen gegen ASML treffen also auch diese Zulieferkette. Gleichzeitig will die EU mit dem Chips Act ihren Anteil am globalen Halbleitermarkt auf 20 Prozent verdoppeln (European Commission). Brüssel spricht offiziell von „Risikominderung, nicht Entkopplung“ gegenüber China (EU economic security strategy). Über Exportkontrollen entscheiden aber weiterhin die Mitgliedstaaten. Damit verhandeln die Niederlande allein mit Washington über eine Maschine, von der die strategische Position ganz Europas abhängt (CSDS VUB).

Wie Bruegel argumentiert hat, verschafft ASMLs Monopolstellung Europa in einer fragmentierenden Chipwelt echte Verhandlungsmacht, allerdings nur, wenn sie gemeinsam eingesetzt wird. Sjoerdsma sagte in Washington, die Niederlande teilten das Ziel, gefährliche Technologie von feindlichen Akteuren fernzuhalten; „Zusammenarbeit durch Zwang“ überschreite aber eine Grenze (Reuters). Entscheidend ist nun, ob Europa diese Grenze Land für Land verteidigen kann. Sonst wird aus dem Status des „vertrauenswürdigen Partners“ eine gesteuerte Abhängigkeit: höhere Kosten, weniger Verhandlungsmacht und schwächere Kontrolle über die industrielle Basis, auf der KI entstehen soll.

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claude-opus-4-6
Generated:
6/25/2026, 3:25:04 AM
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SynthID (Google's invisible watermark)
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