Angriffe gefährden 19.6-GW-Ziel der Ukraine

Ukraine’s winter power plan awaits a measure of what the strikes destroyed.
Bildkomposition · tobriefWie viel Strom die Ukraine im Winter bereitstellen kann, hängt auch davon ab, wie schnell beschädigte Anlagen repariert werden. Bei einem nächtlichen russischen Drohnen- und Raketenangriff auf Energieanlagen in zehn Regionen sei es zu Schäden gekommen, teilte das ukrainische Energieministerium mit (Energieministerium). Europäische Geber finanzieren einen Teil der Reparaturen. Wie viel Erzeugungs- und Übertragungskapazität der Angriff zerstört hat, hat Kiew bislang nicht beziffert. Davon hängt ab, ob der Winterplan noch aufgeht.
Zwei Städte, ein Umspannwerk
Winnyzja war am Morgen ohne Strom. Wichtige Dienste liefen mit Notstrom, der elektrische Nahverkehr kam zum Stillstand. Der regionale Netzbetreiber Vinnytsiaoblenergo führte den Ausfall auf ein einzelnes beschädigtes Umspannwerk zurück, das zehntausende Anschlüsse versorgt. Die Stromversorgung wurde schrittweise wiederhergestellt (Ukrinform).
Ein Umspannwerk senkt die Spannung des Stroms aus dem Hochspannungsnetz, damit Haushalte und Unternehmen ihn nutzen können. Fällt eine solche Anlage aus, kann eine Stadt dunkel bleiben, obwohl die Kraftwerke, die sie versorgen, weiterarbeiten. Das ist der am besten belegte konkrete Schaden.
In Schytomyr fielen Strom und Wasser aus, während die Pumpwerke auf Generatoren umschalteten. Der Gebietsgouverneur Vitalii Bunechko berichtete von mehreren beschädigten Energieanlagen, nannte sie aber nicht und machte keine Angaben zu ihrer Leistung (Suspilne).
Eine landesweite Bilanz mit Lücken
Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, Russland habe in der Nacht mehr als 15 wichtige Anlagen zur Stromerzeugung und -übertragung angegriffen. Dabei seien mehr als 320 Shahed-Drohnen sowie Marschflugkörper und ballistische Raketen eingesetzt worden (Selenskyj). „Angegriffen“ ist seine Formulierung; welche Anlagen tatsächlich beschädigt wurden, führt seine Mitteilung nicht auf.
Die ukrainische Luftwaffe registrierte Einschläge an 22 Orten (Ukrainische Luftwaffe). Diese Zahl umfasst Angriffe auf Ziele aller Art und belegt daher nicht, wie viele Energieanlagen getroffen wurden.
Bis zum Morgen sei die Stromversorgung für mehr als 500.000 Anschlüsse wiederhergestellt worden, teilte das Energieministerium mit (Energieministerium). Wie viele Anschlüsse weiterhin ohne Strom waren, gab es nicht an. Die an diesem Tag geltenden rollierenden Abschaltungen in Haushalten führte das Ministerium auf frühere Angriffe zurück. Der neue Schaden traf somit ein Netz, das bereits mit älteren Schäden umgehen musste.
Warum die fehlende Zahl für Europa wichtig ist
Im August sagte Energieminister Denys Schmyhal, der Ukraine stünden zur abendlichen Lastspitze einschließlich der Importe rund 15 GW zur Verfügung. Bis zum 1. November solle die verfügbare Leistung auf 19,6 GW steigen, sofern reparierte Kraftwerke nicht erneut getroffen würden (Ukrainische Regierung). Die Angabe in Gigawatt beschreibt, wie viel Leistung das System gleichzeitig liefern kann. Gerade am Abend, wenn Haushalte viele Geräte einschalten, kann ein Mangel zu Stromausfällen führen.
Kiew hat nicht mitgeteilt, ob dieser Angriff eines der reparierten Kraftwerke getroffen habe. Eine aktualisierte Leistungszahl liegt ebenfalls nicht vor. Solange beides fehlt, lässt sich außerhalb des Ministeriums nicht beurteilen, ob das Novemberziel noch erreichbar ist.
Stromimporte aus der EU können einen Engpass abmildern. Im Januar lag die Obergrenze für Importe über die gemeinsame Grenze von EU, Ukraine und Moldau bei 2.450 MW (DiXi Group). Das ist weniger als die Lücke zwischen Schmyhals Augustwert und seinem Novemberziel. Die Obergrenze beschränkt, wie viel Strom die Grenze passieren kann, garantiert aber keine Lieferung. Importierter Strom muss zudem durch ukrainische Leitungen fließen, die weiterhin angegriffen werden.
Die Ausrüstung für Reparaturen kommt über Geber. Die Energy Community, eine Vertragsorganisation, die EU-Energieregeln auf Nachbarländer ausdehnt, verwaltet einen Fonds, in dem Gebermittel für Transformatoren und Generatoren gebündelt werden. In einer Mitteilung im Oktober erklärte sie, Lieferanten hätten von Juni bis September Ausrüstung im Wert von 102,5 Mio. EUR geliefert. Weitere Ausrüstung im Wert von 154,2 Mio. EUR solle bis Jahresende folgen (Energy Community).
Am 4. Oktober sagte Bundeskanzler Friedrich Merz rund 350 Mio. EUR für Generatoren, Umspannwerkstechnik und Reparaturen zu (Bundesregierung). Eine Zusage ist noch kein Transformator, der in einem Umspannwerk eingebaut ist. Die vorliegenden Angaben stellen bislang weder die Lieferungen aus dem Fonds noch die deutschen Mittel mit den Reparaturen dieser Woche in Verbindung.
Ob wiederaufgebaute Anlagen stehen bleiben, hängt auch von der Luftverteidigung ab. CNN berichtete unter Berufung auf eine nicht genannte Quelle, der Ukraine seien Patriot-Abfangraketen ausgegangen; weder ukrainische noch US-amerikanische oder NATO-Vertreter hätten dies bestätigt (To Brief). Sollte der Bericht zutreffen, wären reparierte Anlagen stärker gefährdet. Nichts deutet darauf hin, dass ein Mangel die aktuellen Ausfälle verursacht hat.
Der Angriff unterbrach die Stromversorgung in Städten und beschädigte Energieanlagen in mehreren Regionen. Weiter reicht die gesicherte Bilanz bislang nicht: Ob die Stromversorgung im Winter ausreicht, lässt sich erst anhand einer Liste der beschädigten Anlagen und einer Zahl zur verlorenen Leistung beurteilen. Veröffentlichen kann diese Angaben nur das Energieministerium. Bis dahin finanzieren europäische Regierungen ein Reparaturprogramm, dessen Novemberziel außerhalb Kiews niemand überprüfen kann.
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- 10/18/2026, 1:33:55 AM
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