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EU_ECONOMICS05 / 05 · Geschichte des Tages3 Min. · 694 Wörter · 43 Quellen

Niedrige Donau bedroht Rumäniens Stromversorgung

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Geschrieben von KIto brief KI · 1. August 2026, 02:50
Wie sie entstand

The Danube’s flow hardens into a solid crisis for Europe’s nuclear heartlands.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Bei Cernavodă an der unteren Donau führt der Fluss derzeit rund 1.600 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, weniger als 40 Prozent des üblichen Juli-Werts (Digi24, Bloomberg). Für ein Atomkraftwerk ist das kein Nebenaspekt. Reaktoren erzeugen Strom, doch die dabei entstehende Restwärme muss über Kühlwasser abgeführt werden. Sinkt der Fluss zu stark, können die Pumpen nicht mehr sicher arbeiten. Dann werden Reaktoren vom Netz genommen, und ausgerechnet jene CO2-arme Grundlastleistung fehlt, die unabhängig von Sonne und Wind verfügbar sein soll.

Rumänien hat deshalb am 31. Juli für August einen nationalen Energiealarm ausgerufen. Gemeint ist eine technische Maßnahme für das Stromsystem, kein verfassungsrechtlicher Ausnahmezustand (Mediafax). Übergangsministerpräsident Ilie Bolojan sagte, die Dürre könne rund 20 Prozent der nationalen Stromerzeugung gefährden (RRI, Agerpres). Besonders kritisch sind die Abendstunden zwischen 20 und 23 Uhr, wenn die Photovoltaikleistung abfällt, die Haushalte aber weiter viel Strom verbrauchen.

Das Problem bleibt nicht auf Rumänien beschränkt. Das ungarische Kernkraftwerk Paks produziert nur noch etwa die Hälfte seiner Leistung. Das bulgarische Kraftwerk Kosloduj steht unter besonderer Beobachtung. Wie To Brief vergangene Woche berichtet hatte (To Brief), war Block 1 in Cernavodă wegen der Hitzewelle bereits abgeschaltet worden. Seitdem hat sich die Lage verschärft.

Lastkähne versenken, um einen Reaktor zu retten

Block 1 in Cernavodă wurde am 28. Juli vom Netz getrennt. Das Energieministerium warnte, der Betrieb der Kühlpumpen bei derart niedriger Wasserführung könne Schäden verursachen, deren Reparatur bis zu einem Jahr dauern würde (Agerpres). Block 2 blieb nach einer nächtlichen Prüfung am 30. Juli am Netz, allerdings unter strenger Überwachung (Curs de Guvernare, Romania Insider).

Um diesen letzten Reaktor weiter betreiben zu können, stellte Bolojan 7 Mio. Lei aus der Regierungsreserve bereit. Mit Notarbeiten an einer Flussverzweigung oberhalb des Kraftwerks soll mehr Wasser in Richtung des Ansaugbeckens von Cernavodă gelenkt werden. Behörden diskutierten zudem, Metallkähne zu versenken, um die Hauptströmung zum Kraftwerk umzuleiten (Adevarul, Digi24). Rumänien baut damit faktisch einen Abschnitt der Donau um, damit ein einzelner Reaktor weiter laufen kann.

Derselbe Fluss, dieselbe Enge

Ungarn steht noch stärker unter Druck. Der Pegel der Donau bei Paks fiel am 30. Juli auf minus 122 Zentimeter, den niedrigsten dort gemessenen Wert (kormany.hu). Am 31. Juli war ein Block abgeschaltet, ein weiterer lief nur mit halber Leistung. Die Produktion lag damit bei ungefähr der Hälfte der Kraftwerkskapazität. Betreiber MVM warnte, eine vollständige Abschaltung könne innerhalb weniger Tage unvermeidlich werden (MVM Paks, HVG).

Das bulgarische Kernkraftwerk Kosloduj, das ebenfalls Donauwasser zur Kühlung nutzt, lief zwar weiter, hatte aber Vorschriften für den Betrieb bei Niedrigwasser aktiviert. Energieministerin Iwa Petrowa nahm Kontakt zu Serbien auf, um die Wasserführung über den stromaufwärts gelegenen Eisernes-Tor-Staudammkomplex zu steuern (24 Chasa). Österreichs größter Wasserkrafterzeuger Verbund meldete unabhängig davon, die Dürre habe seine Produktion auf 68 Prozent des Plans gedrückt (Kleine Zeitung). Niedrigwasser schwächt damit Kernkraft und Wasserkraft zugleich.

Wer zahlt, wenn billiger Strom fehlt

Fällt Kernkraft aus, müssen teurere Quellen einspringen. Rumänien rechnete mit einer Spitzenlast von rund 7.300 Megawatt, während im Inland nur 4.000 bis 4.300 Megawatt erzeugt wurden. Am Abend importierte das Land bereits etwa 1.700 Megawatt, vor allem aus Bulgarien (Profit.ro, EUAlive). Rumänien wurde damit vom Stromexporteur zum Importeur.

Gewinner sind Gaskraftwerke und Batteriespeicher, die in Knappheitsstunden hohe Preise erzielen können. Kernkraftbetreiber verlieren Erlöse. Versorger mit festen Haushaltstarifen müssen Ersatzstrom teuer am Großhandelsmarkt kaufen. Analysten des ungarischen Portals Portfolio schätzten, der Ersatz der Paks-Produktion durch Importe könne Ungarns Handelsbilanz, also die Differenz zwischen Energiezahlungen ans Ausland und Exporterlösen, um bis zu 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verschlechtern (Portfolio). Bolojan bat rumänische Haushalte, Waschmaschinen und Boiler erst nach 23 Uhr laufen zu lassen (Mediafax).

Unmittelbare Stromausfälle sind damit nicht das wahrscheinlichste Szenario. Das größere Risiko liegt darin, dass mehrere Länder gleichzeitig billige gesicherte Leistung verlieren und sich dann bei Nachbarn eindecken wollen, die vor demselben Flussproblem stehen. Prognosen sehen die Wasserführung bei Cernavodă bis zum 3. August weiter in Richtung 1.500 m³/s fallen, bei Paks auf minus 130 Zentimeter (RRI, kormany.hu). Notarbeiten, versenkte Lastkähne und verschobener Verbrauch kaufen wohl Tage, aber keine Wochen. Sommerdürre kann inzwischen verlässliche CO2-arme Stromproduktion in mehreren verbundenen Märkten zugleich treffen. Die europäische Netzplanung hat diese Realität noch nicht ausreichend eingepreist.

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8/1/2026, 2:04:07 AM
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