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EU_PUBLIC_AFFAIRS04 / 05 · Geschichte des Tages3 Min. · 570 Wörter · 50 Quellen

Meridiam übernimmt Mehrheit am Kabelprojekt

Geschrieben von KIto brief AI · 10. August 2026, 02:50
Wie sie entstand

Cyprus faces the bill before the project reveals who bears the risk.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Der Great Sea Interconnector soll Zypern erstmals direkt an den europäischen Strommarkt anschließen. Für die Insel wäre das mehr als ein Infrastrukturprojekt: Solange Zypern elektrisch isoliert bleibt, hängen Versorgungssicherheit und Strompreise stärker an kleinen lokalen Kraftwerken, Brennstoffimporten und begrenztem Wettbewerb. Nun hält der französische Infrastrukturinvestor Meridiam 66 Prozent an dem Unterseekabelprojekt. Der Eigentümerwechsel ist vollzogen, doch die entscheidende Frage bleibt offen: Wer trägt Mehrkosten, wenn das Vorhaben teurer oder politisch schwieriger wird als geplant?

Fünf Tage nach der Unterzeichnung in Athen sind weder Kaufpreis noch Eigenkapitalzusagen, Verwaltungsstruktur oder Vertragsklauseln zur Kostenverteilung veröffentlicht worden (Philenews, Baird Maritime). Die Gesamtkosten werden auf rund 1,9 Mrd. EUR geschätzt (Kathimerini Cyprus). Etwa 657 Mio. EUR kommen aus der Connecting Europe Facility der EU, einem Förderprogramm für grenzüberschreitende Infrastruktur. Damit bleiben mehr als 1,2 Mrd. EUR, die über Eigenkapital, Kredite oder über Umlagen auf Stromrechnungen finanziert werden müssen (Knews Kathimerini). Wie wir vergangene Woche berichtet haben, verlangte die zyprische Opposition umgehend Offenlegung. Die Europäische Kommission bestätigte zudem, der Deal sei ihr noch nicht formell zur Fusionskontrolle gemeldet worden, also zu jenem Verfahren, mit dem die wettbewerbsrechtliche Prüfung beginnt.

Die fehlende Risikokarte

Die Unterzeichnung vom 5. August verband Meridiams Einstieg mit einer parallelen Vereinbarung, nach der der Kabelhersteller Nexans die Meeresbodenuntersuchungen entlang der rund 898 Kilometer langen Trasse wieder aufnehmen soll (Greek PM, Balkan Green Energy News). Der griechische Netzbetreiber ADMIE behält 34 Prozent, die technische Führung und den künftigen Betrieb des Kabels (Politis). Ob ADMIE bei bestimmten Entscheidungen Vetorechte hat, ist nicht bekannt.

Mehrheitsinvestor und Kabelhersteller sind damit beide französisch. Der Wechsel von einem einzelnen staatsnahen Projektträger zu einem langfristig orientierten Infrastrukturfonds dürfte die Finanzierung auf dem Papier erleichtern (EUAlive). Doch leichter finanzierbar heißt eben nicht finanziert. Eine endgültige Investitionsentscheidung liegt weiterhin nicht vor.

Zypern könnte zuerst zahlen

Die Kosten sollen zu 63 Prozent von Zypern und zu 37 Prozent von Griechenland getragen werden. Damit fällt die Pro-Kopf-Belastung für rund eine Million zyprische Verbraucher deutlich höher aus als für etwa zehn Millionen griechische Verbraucher (Cyprus Mail). Energieminister Michalis Damianos begrüßte Meridiams Einstieg, warnte aber, das Kabel bedeute nicht automatisch niedrigere Strompreise; je nach Endbedingungen könnten die Preise auch steigen (Euronews). Zypern werde erst die Due-Diligence-Prüfung der Europäischen Investitionsbank abwarten, bevor es über eine direkte staatliche Beteiligung entscheide, sagte Damianos (Sigmalive).

Nach Darstellung von Politis wurde Nikosia von der Ankündigung in Athen überrascht und hat noch nicht entschieden, ob es in die Projektgesellschaft einsteigen will (Politis). Die beiden großen Oppositionsparteien AKEL und DISY verlangten vollständige Kostendaten, bevor Zypern neue Verpflichtungen übernehme (PafosNet).

Drei Tore bleiben geschlossen

Das türkische Seerechtsrisiko, das 2024 Meeresbodenuntersuchungen nahe Kasos und Karpathos stoppte, ist nicht beseitigt. Eine neue griechische NAVTEX, also eine maritime Sicherheitsmeldung zur Genehmigung von Vermessungsarbeiten, ist nicht bestätigt (Cyprus Mail). Das hat finanzielle Bedeutung: Nach Angaben von Philenews könnte eine griechische NAVTEX unter der bestehenden zwischenstaatlichen Vereinbarung zwei zyprische Zahlungen von jeweils 25 Mio. EUR an ADMIE auslösen (Philenews). Les Echos beschrieb Meridiams Einstieg als französisches geopolitisches Gewicht, das aber ein umstrittenes Seegebiet nicht neutralisiere (Les Echos).

Die Europäische Kommission hat die formelle Fusionsanmeldung weiterhin nicht erhalten (CNA). Die EIB-Studie, die Zypern als Voraussetzung behandelt, ist nicht abgeschlossen. Meridiams Einstieg macht einen Abbruch weniger wahrscheinlich und eine Finanzierung plausibler. Er belegt aber nicht, dass das Kabel zu den heute angenommenen Kosten gebaut wird. Solange EIB-Prüfung, Fusionsanmeldung und Gesellschaftervertrag nicht offenliegen, soll Zypern einer Finanzierungsstruktur vertrauen, deren Risikoverteilung es nicht sehen kann.

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8/10/2026, 2:11:03 AM
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