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EU_ECONOMICS03 / 05 · Geschichte des Tages3 Min. · 713 Wörter · 37 Quellen

EU-Kraftstoffkosten steigen um 23,8 %

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Geschrieben von KIto brief KI · 23. September 2026, 02:50
Wie sie entstand

Tax policy lowers one side of the border overnight.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Kraftstoff für private Pkw kostete EU-Verbraucher im August 2026 23,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor (Eurostat). Die Zahl stammt aus dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex, dem Inflationsmaß, das alle EU-Staaten nach derselben Methode ermitteln. Erfasst werden die Preise, die Autofahrer an der Tankstelle zahlen – einschließlich Steuern und staatlicher Entlastungen. Der Index zeigt damit die Marktkosten, nachdem nationale Politik in sie eingegriffen hat. Er lässt nicht erkennen, welcher Anteil des Anstiegs auf das Öl und welcher auf die Regierungen zurückgeht.

Warum eine feste Steuer die Rechnung verändert

Der Preis eines Liters Kraftstoff setzt sich aus mehreren Schichten zusammen. Am Anfang stehen der in Dollar gehandelte Rohstoff und die Margen für Raffinerien, Transport und Tankstellen. Darauf erheben die Staaten die Energiesteuer, also einen festen Betrag pro Liter. Zusätzlich fällt auf sämtliche Bestandteile, einschließlich dieser Steuer, Mehrwertsteuer an. Deutschlands Kraftstoffbesteuerung folgt diesem Muster (Bundesfinanzministerium).

Die feste Steuerkomponente verändert die Prozentrechnung. Steigt der Rohölpreis, bleibt die Energiesteuer unverändert; der Preis an der Tankstelle nimmt dann prozentual weniger stark zu als der Ölpreis. Umgekehrt kann das Ende einer befristeten Steuersenkung den Kraftstoff verteuern, obwohl sich der Ölpreis nicht verändert. Deutschland senkte seine Kraftstoffsteuer im Mai und Juni um 14,04 Cent je Liter. Die Maßnahme kostete schätzungsweise 1,6 Mrd. EUR und lief im Juli aus (Bundestag).

Schnell und breit oder günstiger und gezielt

Deutschland setzt erneut auf eine rasch wirksame Entlastung. Bund und Länder verständigten sich am 18. September auf eine weitere Senkung um 14 Cent vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember. Die Kosten werden auf 2,5 Mrd. EUR veranschlagt und zu gleichen Teilen aus Bundes- und Länderhaushalten getragen (Bundesregierung, ZDF). Stand 22. September musste die Regelung noch den Bundestag und den Bundesrat passieren, der die Länder vertritt (Tagesschau). Deutschland ist damit nicht allein: Spanien gewährt seit Juli eine schrittweise auslaufende Energiesteuersenkung, die am 30. September endet, sofern sie nicht verlängert wird (BOE).

Eine Steuersenkung mindert zwar die Einnahmen des Staates, doch den endgültigen Tankstellenpreis bestimmen die Händler. Den Anteil einer Entlastung, der tatsächlich an der Zapfsäule ankommt, bezeichnen Ökonomen als Weitergabequote. Nach dem deutschen Tankrabatt von 2022 stellte das ifo Institut fest, dass nur ein Teil der Entlastung an die Autofahrer weitergereicht wurde (ifo). Den vollständigen Einnahmeausfall trägt der Staat trotzdem.

Frankreich hat sich für den anderen Weg entschieden. Sein am 22. September beschlossenes Paket weitet die Unterstützung für Menschen aus, die mit dem Auto zur Arbeit fahren. Nach Angaben von Libération könnten bis zu 5,5 Millionen Menschen anspruchsberechtigt sein; im Raum steht eine Zahlung von 100 EUR.

Das neue Modell reagiert auf eine belegte Schwäche der früheren allgemeinen französischen Kraftstoffvergünstigung. Der Rechnungshof bezifferte deren Kosten auf 7,6 bis 8 Mrd. EUR und stellte fest, dass die stärksten Kraftstoffverbraucher überproportional davon profitierten (Cour des comptes). Eine Zahlung an anspruchsberechtigte Berufstätige erreicht eher die von der Regierung ausgewählten Gruppen, auch wenn die Kriterien den tatsächlichen Bedarf nur annähernd abbilden. Der Preis an der Tankstelle und damit auch Frankreichs Kraftstoff-Inflationsrate bleiben davon allerdings unverändert.

Wenn die Steuersenkung des Nachbarn die Grenze überschreitet

Nationale Entscheidungen wirken über die Grenzen hinweg. Nach Angaben von NRC kostete Diesel in den Niederlanden am 18. und 19. September rund 2,81 EUR je Liter, in Deutschland vor der neuen Senkung dagegen etwa 2,47 EUR. Niederländische Tankstellen nahe der Grenze warnen, dass ein größerer Preisabstand ihre Kunden nach Osten treiben werde (Omroep Gelderland). Jeder Tankvorgang in Deutschland verlagert den Umsatz sowie die darauf anfallende Kraftstoff- und Mehrwertsteuer auf die deutsche Seite. Wie viele Liter tatsächlich über die Grenze fließen, ist bislang nicht gemessen worden.

Beide Modelle haben einen unterschiedlichen Vorteil. Breite Steuersenkungen wirken vom ersten Tag an an der Zapfsäule und drücken den Preisindex. Der Staat subventioniert damit jedoch jeden Liter, auch für wohlhabendere und ausländische Autofahrer; zudem kann ein Teil der Entlastung bei den Händlern verbleiben. Gezielte Zahlungen belasten den Haushalt weniger, lassen die gemessene Inflation aber hoch.

Deshalb muss die Eurostat-Tabelle vorsichtig gelesen werden. Rohölpreis, Wechselkurs, Raffineriekosten und Einzelhandelsmargen beeinflussen den Index ebenso wie Steuern. Der Ländervergleich erfasst jedoch die Preise nach staatlichen Eingriffen und zeigt daher nicht, welches Land dem stärksten zugrunde liegenden Ölpreisschock ausgesetzt war. Ein Staat, der die Kraftstoffsteuer senkt, steht in der Tabelle besser da als ein Nachbar, der Schecks verteilt – selbst wenn beide Geld ausgeben, um dieselben Autofahrer zu entlasten.

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9/23/2026, 6:53:40 AM
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