Spectrum bringt fünf Satelliten ins All

Europe completes one orbit; reliability begins with the next.
Bildkomposition · tobriefFünf Kleinsatelliten lösten sich am 5. September von ihrer Trägerrakete und begannen ihren ersten Erdumlauf. Die norwegische Orbit NTNU bestätigte den Kontakt zu FramSat-1, die Universität Maribor meldete den Eintritt ihres slowenischen TriSat-S in die Umlaufbahn (NordSec, Universität Maribor). Rund zwei Stunden nach dem Start im norwegischen Andøya hatte die Spectrum-Rakete von Isar Aerospace damit nach Angaben der Europäischen Weltraumorganisation ESA erstmals Satelliten mit einer privat entwickelten Trägerrakete vom europäischen Festland in den Orbit gebracht (ESA, Space.com).
Beim Erstflug im März 2025 war Spectrum nach etwa 30 Sekunden ausgefallen. Die Untersuchung von Isar Aerospace ergab, dass sich unbeabsichtigt ein Entlüftungsventil geöffnet habe. Daraufhin habe die Rakete ihre Lagekontrolle verloren, also die Fähigkeit, ihre Flugrichtung zu halten und sich zu stabilisieren. Das bordeigene Abbruchsystem schaltete schließlich die Triebwerke ab (Space.com).
Der zweite Flug zeigt daher vor allem, dass Isar Aerospace einen konkreten technischen Fehler finden und beheben konnte. Für den kommerziellen Betrieb reicht dieser Nachweis allerdings noch nicht: Kunden müssen sich darauf verlassen können, dass eine Rakete wiederholt, termingerecht und mit der vereinbarten Nutzlast startet.
Wie eine Umlaufbahn entsteht
Beim Aufstieg durch die Atmosphäre durchquerte Spectrum zunächst den Bereich der höchsten aerodynamischen Belastung. Dort wirken hohe Geschwindigkeit und noch vergleichsweise dichte Luft zusammen, sodass die größten Kräfte auf die Raketenstruktur treffen. Nachdem die erste Stufe abgetrennt worden war, zündete die Oberstufe und beschleunigte weiter bis nahe an die erforderliche Umlaufgeschwindigkeit.
Entscheidend war anschließend das Manöver, das aus einer suborbitalen Flugbahn eine nutzbare Erdumlaufbahn machte. Zunächst wurde die Nutzlastverkleidung abgeworfen, die die Satelliten während des Aufstiegs geschützt hatte. Nach einer antriebslosen Flugphase zündete die Oberstufe erneut, um die zunächst lang gestreckte Bahn stärker zu kreisförmigisieren. Erst danach setzte sie die fünf CubeSats aus, also standardisierte Kleinsatelliten aus würfelförmigen Modulen (ESA).
Diese zweite Zündung ist technisch anspruchsvoll, weil ein Triebwerk nach einer Abkühlungsphase im Vakuum erneut zuverlässig anspringen muss. Der Flug erprobte damit nahezu die gesamte für einen Orbitaltransport erforderliche Systemkette, vom Start über die Stufentrennung bis zur Freisetzung der Satelliten.
Vom technischen Nachweis zum Routinebetrieb
Ein erfolgreicher Flug belegt, dass Spectrum grundsätzlich funktioniert. Offen bleibt jedoch, wie häufig und pünktlich die Rakete starten kann und welche Nutzlasten sie im regulären Betrieb tatsächlich befördert. Bis zum 8. September war der Betriebszustand noch nicht bei allen ausgesetzten Satelliten öffentlich bestätigt. Zudem handelte es sich bei den fünf CubeSats um kleine Experimente von Hochschulen und Unternehmen, nicht um schwere kommerzielle Nutzlasten (ESA).
Europa verfügt seit dem 5. September über eine neue, praktisch erprobte Fähigkeit: Ein europäisches Unternehmen hat mit einer selbst entwickelten und gebauten Rakete von europäischem Boden aus Satelliten in die Umlaufbahn gebracht. Zuvor war dies keiner privat entwickelten Trägerrakete vom europäischen Festland gelungen.
Der wirtschaftlich wichtigere Nachweis steht Isar Aerospace allerdings noch bevor. Verlässlichkeit entsteht im Raumfahrtgeschäft erst durch eine Folge erfolgreicher Missionen, aus der Satellitenbetreiber das tatsächliche Ausfall- und Terminrisiko ableiten können. Spectrum hat eine vollständige Orbitalmission absolviert. Nun muss Isar diesen Erfolg in einem planbaren Startbetrieb wiederholen.
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- 9/8/2026, 4:10:43 PM
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